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Ein Kapitel geht zu Ende

Ein Kapitel geht zu Ende

Im September 2025 werden unsere neuen Fenster eingebaut. Als wir einige Tage später in den Räumen stehen und hinausblicken in die vertraute Landschaft, ist da nicht nur Freude über das Gelungene. Es ist auch ein Innehalten. Die neuen Fenster sind mehr als ein baulicher Schritt. Sie sind ein Abschluss. Über Jahre hinweg haben wir dieses Haus gemeinsam weiterentwickelt. Wir haben geplant, überlegt, diskutiert, Entscheidungen getroffen. Wir sind im Regen gegangen, haben die Jahreszeiten erlebt, haben die Natur bestaunt und immer wieder über Nachhaltigkeit gesprochen. Es war nie nur ein Projekt – es war ein gemeinsamer Weg.

Ein Haus, das ein ganzes Leben trägt

Für mich, Evelyne, ist dieses Haus zutiefst mit meiner eigenen Lebensgeschichte verwoben.
Hier habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht, hier bin ich Schritt für Schritt erwachsen geworden. Hier habe ich später als junge Frau gelebt, war verheiratet, habe mit meinem Mann meinen Alltag geteilt und hier wurde auch meine Tochter geboren. Dieses Haus hat so viele Lebensphasen getragen. Hier sind meine beiden Kinder an vielen Wochenenden aufgewachsen, haben ihre ersten Schritte in der reichhaltigen Natur gemacht.

Gerade mein Sohn hat hier seine Liebe zur Natur entdeckt – eine tiefe Verbundenheit, die ihn bis heute begleitet. Hier hat er gelernt zu wandern, die Wege, die Stille und die Weite der Landschaft zu schätzen. Und auch heute, als Erwachsener, ist das geblieben: Gemeinsam mit seiner Freundin zieht es ihn immer wieder hinaus, in die Berge, in die Natur – dorthin, wo alles einmal begonnen hat.

Es ist ein Ort, der mich durch mein ganzes Leben begleitet hat. Ein Ort voller Erinnerungen, die bleiben. Verbundenheit, die berührt und vielleicht ist es genau diese tiefe Verbundenheit, die alles so empfindsam macht. Denn wo viel Verbundenheit ist, kann auch viel verletzt werden. In den letzten Wochen hat sich etwas verändert. Ein Gespräch, das nachwirkt. Worte, die nicht einfach verhallen. Manche Sätze bleiben. Sie arbeiten weiter in einem. Und sie stellen etwas in Frage, das lange selbstverständlich war: Zugehörigkeit. Vertrauen. Miteinander.

Abschied von einem vertrauten Ort

Mein Mann und ich haben versucht, damit umzugehen. Wir haben gesprochen, überlegt, abgewogen. Wir haben uns Zeit genommen, um zu verstehen, was das für uns bedeutet.
Denn Entscheidungen wie diese trifft man nicht leicht. Nicht nach einem Tag. Nicht aus einer Stimmung heraus. Sondern erst dann, wenn man spürt: So, wie es ist, geht es für uns nicht mehr weiter.

Göstling war für meinen Mann und mich mehr als ein Ort. Es war verbunden mit Zukunftsträumen. Mit der Vorstellung eines Ruhepols. Mit einem Stück Ankommen. Umso schwerer ist es zu erkennen, dass sich dieser Ort für uns verändert hat. Dass etwas, das tragen sollte, plötzlich Kraft kostet. Wir hätten uns gewünscht, dass es anders weitergeht. Mit einem gemeinsamen Blick nach vorne. Und gleichzeitig wissen wir: Manchmal braucht es Abstand, um sich selbst treu zu bleiben. Wir gehen diesen Schritt nicht im Zorn. Sondern mit Traurigkeit. Und auch mit Dankbarkeit. Dankbarkeit für all die gemeinsamen Stunden. Für das, was wir hier miteinander geschaffen haben. Für die vielen kleinen und großen Momente, die bleiben.

Was bleibt und weitergeht

Das Haus bleibt in den Händen von Susanne. Und ich, Evelyne, nehme das mit, was wirklich zählt: unsere Erinnerungen, unsere Erfahrungen und die tiefe Verbindung zu diesem Ort. Was uns als Zwillinge trägt – Zugehörigkeit, Vertrauen und dieses besondere Miteinander – bleibt. Es verändert sich nicht, auch wenn sich das Umfeld wandelt. Unser Engagement für Nachhaltigkeit endet auch hier nicht. Es findet nur einen neuen Platz, wächst weiter, entwickelt sich weiter. Vielleicht liegt genau darin eine Form von Nachhaltigkeit: das Gute zu bewahren, das Wesentliche mitzunehmen und gleichzeitig offen zu sein für neue Wege.

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