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Wurzeln und Wege

Wurzeln und Wege

Im September 2025 werden unsere neuen Fenster eingebaut. Als wir einige Tage später wieder in den Räumen stehen und hinausblicken in die vertraute Landschaft, ist da nicht nur Freude über das, was gelungen ist. Es ist auch ein Moment des Innehaltens. Die neuen Fenster lassen Licht herein und eröffnen einen klaren Blick auf die Berge, die Wiesen und Wälder, die uns über viele Jahre begleitet haben. Und sie stehen sinnbildlich für einen Übergang. Für einen Lebensabschnitt, der sich langsam vollendet und für einen neuen Blick auf das, was vor uns liegt. Ein Blick nach draußen. Und einer nach innen. Über viele Jahre hinweg haben wir dieses Haus gemeinsam weiterentwickelt. Wir haben geplant, überlegt, diskutiert und Entscheidungen getroffen. Wir haben Regen und Sonnenschein erlebt, die Jahreszeiten kommen und gehen sehen und die Natur immer wieder aufs Neue bestaunt. Dabei haben wir uns auch mit der Frage beschäftigt, wie wir nachhaltig leben und verantwortungsvoll mit dem umgehen können, was uns anvertraut ist. Es war ein Haus und ein gemeinsamer Weg.

Ein Haus voller Lebensgeschichten

Für mich, Evelyne, ist dieses Haus eng mit meiner eigenen Lebensgeschichte verbunden. Hier durfte ich einen Teil meiner Jugend verbringen und bin Schritt für Schritt erwachsen geworden. Später lebte ich hier mit meinem damaligen Mann und unsere Tochter verbrachte an diesem Ort ihr erstes Lebensjahr. Auch mein Sohn verbindet mit dieser Landschaft etwas Besonderes. Zwischen Wiesen, Wäldern und Bergen ist seine Liebe zur Natur gewachsen – eine Verbundenheit, die ihn bis heute begleitet. Gemeinsam mit seiner Partnerin zieht es ihn immer wieder hinaus zum Wandern und in die Berge, inzwischen besonders gerne in Kärnten.

Wenn ich an dieses Haus denke, sehe ich deshalb nicht zuerst Mauern, Fenster oder Räume. Ich denke an Menschen, an gemeinsame Zeit, an Gespräche und an jene kleinen Augenblicke, die oft erst im Rückblick ihre ganze Bedeutung entfalten. Ich denke an meine Eltern, an meine Geschwister, an meine Kinder und an all das, was uns über die Jahre miteinander verbunden hat. An die Freude, die wir geteilt haben, an Herausforderungen, die uns wachsen ließen, und an Erinnerungen, die bleiben, auch wenn sich unser Leben verändert. Dieses Haus war für mich, Evelyne, ein Stück Heimat. Nicht allein wegen seiner Lage oder seiner Geschichte, sondern wegen der Menschen und Erlebnisse, die es mit Leben erfüllt haben.

Wenn das Leben neue Wege eröffnet

Vertraute Orte können im Laufe der Zeit eine andere Bedeutung bekommen. In den vergangenen Monaten haben mich Gespräche und Erfahrungen dazu gebracht, über manches neu nachzudenken. Über Zugehörigkeit und Vertrauen. Über das, was uns Halt gibt. Und darüber, wo wir im Leben wirklich unseren Platz finden. Mein Mann und ich haben uns Zeit genommen, unseren gemeinsamen Weg und unsere Vorstellungen von der Zukunft zu betrachten. Göstling war für uns lange mit einem besonderen Traum verbunden: mit Ruhe, Naturverbundenheit und der Hoffnung, hier gemeinsam einen neuen Lebensabschnitt zu gestalten. Doch manchmal entwickelt sich das Leben anders, als wir es uns vorgestellt haben. Nicht jeder Traum lässt sich in der Form verwirklichen, in der er einmal entstanden ist. Das anzunehmen braucht Zeit und manchmal auch den Mut, sich für neue Möglichkeiten zu öffnen. Was bleibt, ist die Dankbarkeit. Für die vielen gemeinsamen Stunden, für das, was wir geschaffen haben, für alles, was hier wachsen durfte und für die Erinnerungen, die uns weiterhin begleiten werden.

Das Haus bleibt in den Händen meiner Schwester Susanne. Und ich finde diesen Gedanken schön. Denn so bleibt es weiterhin mit unserer Familie und unserer gemeinsamen Geschichte verbunden. Ich selbst nehme etwas mit, das sich nicht in Quadratmetern oder einem materiellen Wert ausdrücken lässt: die Erinnerungen an meine Jugend, an meine Eltern und Geschwister, an meine Kinder und an viele besondere Augenblicke. Ich nehme Erfahrungen mit, die mich geprägt haben, und die tiefe Liebe zur Natur, die mich seit meiner Kindheit begleitet. Und ich nehme die Gewissheit mit, dass Heimat nicht nur ein bestimmter Ort ist.

Das Leben ist eine Wanderung

Das Foto zu diesem Beitrag zeigt meinen Mann, meine Kinder und mich bei einer gemeinsamen Wanderung auf die Rax. Ich habe es bewusst ausgewählt. Denn wenn ich heute auf dieses Bild schaue, sehe ich nicht nur eine Wanderung durch eine wunderschöne Landschaft. Ich sehe Menschen, die zu meinem Leben gehören. Ich sehe gemeinsame Zeit, Vertrautheit und die Freude daran, miteinander unterwegs zu sein. Und ich sehe die Rax – jene Berglandschaft, die für mich inzwischen zu einem neuen Stück Heimat geworden ist. Eine besondere Symbolik liegt darin: Wir sind auf diesem Foto gemeinsam unterwegs. Jeder mit seinen eigenen Gedanken, Erfahrungen und Lebenswegen. Und doch teilen wir für diesen Augenblick denselben Weg, dieselbe Aussicht und die Freude an der Natur.

Das Leben ist schließlich auch eine Wanderung. Manchmal führt es uns über vertraute Wege, manchmal stehen wir an einer Weggabelung. Nicht immer wissen wir, was hinter der nächsten Kurve liegt. Aber wir dürfen weitergehen, Neues entdecken und darauf vertrauen, dass auch unbekannte Wege Schönes bereithalten. Heute gestalte ich mir in Reichenau an der Rax einen neuen Lebensmittelpunkt. Einen Ort, an dem ich ankommen, zur Ruhe kommen und zugleich offen bleiben möchte für das, was das Leben noch bereithält. Dabei wird mir immer deutlicher: Heimat geht nicht verloren, wenn wir einen vertrauten Ort verlassen. Wir tragen etwas von ihr in uns. In unseren Erinnerungen, in unseren Beziehungen und in den Werten, die uns geprägt haben. Und manchmal dürfen wir Heimat an einem anderen Ort neu entdecken.

Was Nachhaltigkeit für mich heute bedeutet

Über viele Jahre war es meiner Schwester und mir wichtig, dieses Haus zu erhalten, behutsam weiterzuentwickeln und verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen. Nachhaltigkeit war dabei nie nur eine technische oder bauliche Frage, sondern immer auch eine Frage der Haltung. Heute hat dieser Gedanke für mich eine weitere Bedeutung bekommen. Nachhaltigkeit bedeutet für mich auch, das Wertvolle aus vergangenen Lebensabschnitten zu bewahren. Erinnerungen nicht festhalten zu müssen und sie dennoch nicht zu verlieren. Erfahrungen weiterzugeben, Beziehungen zu achten und das Gute, das wir erfahren haben, in unser weiteres Leben mitzunehmen. Sie bedeutet, Vergangenes zu würdigen und zugleich offen für Neues zu bleiben. Das gilt auch für das, was wir Familie nennen.

Familie ist nicht allein ein gemeinsames Haus oder ein bestimmter Ort. Familie lebt von den Menschen, die uns begleiten, von Zuneigung und gegenseitigem Respekt, von gemeinsamen Erinnerungen und der Bereitschaft, einander auch dann verbunden zu bleiben, wenn sich Lebenswege verändern. Wenn ich heute das Foto von unserer Wanderung auf die Rax betrachte, empfinde ich deshalb vor allem Dankbarkeit. Dankbarkeit für meine Familie, für die Natur, die uns immer wieder zusammenführt, und für all das, was mich auf meinem bisherigen Weg begleitet hat. Ich denke auch an meine Eltern und daran, was sie uns Kindern mitgegeben haben. Die Wurzeln, aus denen wir gewachsen sind, bleiben ein Teil von uns, selbst wenn wir längst unsere eigenen Wege gehen. Nicht immer geradlinig. Nicht immer leicht. Aber jeder Weg auf seine Weise wertvoll. Genau das ist es, was wirklich bleibt: die Liebe, die uns geprägt hat, die Erinnerungen, die uns verbinden und der Mut, das eigene Leben immer wieder neu zu gestalten. Die Wurzeln bleiben. Und das Leben darf weiterwachsen.

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